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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Klaviermusik
Musik eines kranken Engels

 

Der Pianist und Komponist Frédéric Chopin (1810-1849)

Charismatischer Virtuose, stilbildender Komponist, krank, beliebt - das romantische Klischee des hypersensiblen, genialischen Künstlers passt wie angegossen auf Chopin. Seine Beliebtheit und sein musikalischer Einfluss - auf Liszt, Berlioz und andere - sind auch auf die erotisierende Wirkung zurückzuführen, die den Künstler nicht nur mit den Frauen in seinem Publikum verband. Schumann: "Wie er am Klavier sitzt ist schon unvergleichlich anzusehen..."

Chopin wurde 1810 in der Nähe von Warschau geboren. In seiner Familie gab es vor ihm keine Musiker, und doch förderte man sein offensichtliches musikalisches Talent nach Kräften, so dass er bereits mit acht als pianistisches Wunderkind galt. Schon bald veröffentlichte er erste eigene Kompositionen. Von der Ausnahmebegabung entwickelte sich Chopin zum bedeutendsten und einflussreichsten Komponisten von Klaviermusik des 19. Jahrhunderts.

Zu seinen Bewunderern, Förderern und Freunden zählten Größen wie Liszt, Berlioz, Mendelssohn Bartholdy, Bellini, Rossini, Schumann, Balzac, Heine u.a.. Ab 1830 lebte Chopin überwiegend in Paris, wo er sich zum gefragten Klavierlehrer entwickelte. Chopin, der nur Werke für oder zumindest mit Klavier komponierte, begründete einen einflussreichen Klavierstil, mit dem er dem Instrument gänzlich neue Dimensionen eröffnete: Sein virtuoser und expressiver Stil war trotz des Eindrucks der Spontaneität das Ergebnis disziplinierter Arbeit. Einflüsse aus der polnischen Folklore, eine oft sangliche Melodik, rhythmische Differenziertheit und abwechslungsreiche Harmonik, eine gewisse Verspieltheit und besonders der poetische Klangzauber entwickelten sich - ganz im Sinne der Ästhetik der Romantik - zu Markenzeichen seiner Musik.

Bekenntnis zu Polen

Unter seinen Werken überwiegen die freien, einsätzigen Formen wie Mazurken und Préludes. Das klingende Bekenntnis zu seiner polnischen Heimat, das nicht nur in den Polonaisen Ausdruck fand, hatte entscheidenden Einfluss auf die Vertreter nationaler Kompositionsschulen, wie Szymanowski (Polen), Skrjabin und Rachmaninov (Russland), Liszt (Deutschland) und schließlich Fauré und Debussy (Frankreich).

Jim Morrisons Nachbar

Auf Chopins charismatische Wirkung lassen Äußerungen von Zeitgenossen schließen. Als er aufgrund einer Tuberkulose-Erkrankung zu einer längeren Kur nach Mallorca aufbrach, begleitete ihn seine langjährige Geliebte, die Novellistin George Sand. Sie schrieb: "Dieser Chopin ist ein Engel! Seine Güte, Zärtlichkeit und Geduld beunruhigen mich manchmal, ist er doch so fein, sonderbar und vollendet, daß er gar nicht in unsere rohe, schwierige Welt paßt. - In Mallorca schrieb er auch schwerkrank eine Musik, die voll paradiesischer Düfte war, die man auch mit der Nase genießen konnte ... Er weiß selbst nicht, auf welchem Stern er lebt!"

Und Balzac, als Autor selber sagenumwoben, meinte, Chopin erscheine ihm wie ein Engel - wohingegen Liszt eher wie der Teufel wirke...Chopin erholte sich von seiner Erkrankung nicht und konnte später nicht weiter unterrichten. Verarmt und entkräftet starb er 1849 in Paris. Dort wurde er auf dem Friedhof Père-Lachaise beigesetzt, wo noch heute, ganz in der Nähe des Grabes von Doors-Legende Jim Morrison, sein Grab zu finden ist.

Weitere Meister dieser Strömung sind:

Liszt, Berlioz,Schumann, Szymanowski, Skrjabin, Rachmaninov, Fauré, Debussy

Alben mit Schlüsselqualitäten:

Chopin:Klavierkonzerte
Chopin:Mazurkas
Chopin: Préludes
Chopin: Polonaises
Chopin: Balladen
Chopin: Etüden
Chopin: Klaviermusik