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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Eastcoast Rap
Wo es begann

 

Lange wurde eh nur an der East Coast gerappt

"Eastcoast" beschreibt Rap, der an der amerikanischen Ostküste entsteht. Das trifft mittlerweile auf einen Kommerz-Superstar wie P. Diddy ebenso zu wie für den experimentierfreudigen Beans (Ex-Anti-Pop Consortium). Erst als sich die Message von Grandmaster Flash und Afrika Bambaataa auch an der Westküste der USA durchgesetzt hat, wird der Begriff gebraucht: um die eine von der anderen Küste zu unterscheiden.

Eine Musik ist das nicht. "East Coast Rap" hat seit der Erfindung des Begriffes immer nur eine geografische Bedeutung: Sprechgesang von der US-amerikanischen Ostküste. Bis in die frühen 80er hinein wird sowieso fast nur in New York gerappt: In der Bronx quasseln DJs wie Grandmaster Flash, Kool Herc und Grandwizard Theodore nebenbei ins Mikro. Vor allem nebensächliches Zeugs, "George, Deine Ma steht an der Tür, Du sollst jetzt nach Hause kommen!" Irgendwann gehen die ersten dazu über, ihr Sprechen im Rhythmus zur Musik zu halten und siehe: Der Entertainment Effekt ist enorm.

Im Umfeld dieser selbstorganisierten Partys entsteht eine ganze Kultur mit eigenen Sprechweisen, Kleidungsstilen, und dem Graffiti Sprayen als Form der Selbstdarstellung. Diese Kultur nennt sich "HipHop": Auf den Partys wird dermaßen wild getanzt, dass es fast schon dem Hüpfen (to hop) gleich kommt. Und nichts in der Bronx ist Mitte der 70er so hip wie die Veranstaltungen von Flash, Herc oder Theodore.

Ende der 70er Jahre erscheint die Single einer zusammen gecasteten Gruppe namens Sugar Hill Gang. Rappers Delight heißt sie und wird zum ersten HipHop-Hit. In ihrem Fahrwasser kann dann 1982 auch der große DJ Grandmaster Flash sein erstes Album The Message veröffentlichen. Zusammen mit seiner Gruppe The Furious Five verändert er die Inhalte des Rap. "Don't Push Me/ ?Cause I'm Close To The Edge" rappt Melle Mel über sein Leben im schwarzen Armutsviertel Bronx. Rap trägt jetzt neben der Party auch noch Pollitik.

Mit diesen ersten kommerziellen Erfolgen verbreitet sich HipHop schnell über die Welt. Afrika Bambaataa erweitert das Soundrepertoire mit seinem Track Planet Rock um Kraftwerk-haften Electro. Mitte der 80er Jahre sind es die weißen jüdischen Jungs von den Beastie Boys ebenso wie das schwarze Trio Run DMC, die harte Rock-Riffs in Breaks und Raps tunken.

Als sich gegen Ende des Jahrzehnts die Westküste mit Gruppen wie N.W.A. mit ihren Raps live aus dem Bandenkrieg international Gehör verschafft, erst da muss ein Begriff wie "Eastcoast Rap" überhaupt geschaffen werden. Mit den 90er Jahren kommt ein Prozess in Gang, in dessen Verlauf sich HipHop zur umsatzstärksten Jugendkultur der Welt entfaltet. Mit der Aufsplitterung in immer neue Szenen verliert ein Wort wie "Eastcoast Rap" stetig an Inhalten.

Zur Jahrzehntwende zum Beispiel machen die Native Tongues in New York von sich reden. Das Kollektiv besteht unter anderem aus De La Soul, A Tribe Called Quest und Queen Latifah. Als Mitglieder von Afrika Bambaataas Zulu Nation versuchen sie, in ihren Raps über afroamerikanische Geschichte aufzuklären und Werte wie Zusammenhalt und Gewaltlosigkeit zu etablieren. Ihr Agieren in Bedachtsamkeit stellt auch eine Reaktion auf Public Enemy dar: Über harte Instrumentals spricht die Gruppe um Chuck D. die Probleme der schwarzen Community an. Ihre Lösungsvorschläge sind gewaltsam und revolutionär.

Ebenso bringt New York ständig neue Superstars wie Puff Daddy (jetzt P. Diddy) hervor. Auch der Wu-Tang Clan mit seinem Geheimbund-Modell wird zum Verkaufsschwergewicht. Mit der Verfeinerung der Szenen kommen auch Spoken Word-Künstler wie das Anti-Pop Consortium ins weltweite HipHop-Geschäft, und Philadelphia erlebt seinen zweiten Boom. Mittlerweile wird sowieso überall gerappt, von Ohio über den Süden bis nach Deutschland.

Weitere Meister dieses Genres sind:

Eric B. and Rakim, EPMD, Kurtis Blow, Jungle Brothers, Jeru The Damaja, Afu-Ra, Apani B

Einige Schlüsselalben dieses Genres sind:

Grandmaster Flash & The Furious Five: The Message [1982]
Afrika Bambaataa: Planet Rock - The Album [1986]
Beastie Boys: Licensed To Ill [1986]
Gang Starr: Step In The Arena [1991]
A Tribe Called Quest: The Low End Theory [1991]
Nas: Illmatic [1994]
Wu-Tang Clan: Enter The Wu-Tang [1994]
Anti Pop Consortium: Arrythmia [2002]