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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Trance
"Access Peace"

 

Mit der Love Parade 2002 beginnt eine neue Zeitrechnung

Love Parade - das ist weit mehr als ein Umzug mit mal mehr, mal weniger geschmackvollen Beats aus Techno und House. Lange vor und lange nach den DJ-Sets an der Siegessäule von Lieblingen wie Westbam, Hell, Miss Kittin oder Timo Maas wird gefeiert. Nach dem Verlust des Demo-Staus ist die Love Parade 2002 umso mehr enormes Partywochenende, wichtigster Verkehrsknotenpunkt des internationalen DJ-Zirkus und obendrein Marketingmaschine für die Stadt Berlin.

Warm ist es, ziemlich warm, und die versprengte Meute hat eine Menge Spaß. Man tanzt, spritzt sich gegenseitig mit Wasserpistolen klitschnass, lässt verstört blickende Passanten zurück und beschließt, auch ein Jahr später wieder so zu feiern.

Denn diese Ur-Szene der Love Parade spielt sich im Jahr 1989 auf dem Kudamm in Berlin ab, und tatsächlich hat Dr. Motte seinen erweiterten Bekanntenkreis auf den Einkaufs-Boulevard geladen. Zusätzlicher Anlass ist nämlich Mottes Geburtstag.
Mottes Liebste sind zu einem nicht unbedeutenden Teil aktiv in der noch jungen Acid House-Szene Berlins. Und bei diesen Leuten bedeutet "Feiern": tanzen, möglichst lange tanzen und Respekt gegenüber den Gleichgesinnten zeigen. Jene Gesten der Liebe will Dr. Motte mit seiner Freiluft-Party aus den noch elitären Kreisen der Acid-House-Clubs mal nach außen tragen. Und so lässt er 1989 erstmals unter dem Motto "Love Parade" demonstrieren, für "Frieden, Liebe, Einheit und gegenseitigen Respekt", wie es auf der offiziellen Homepage der Love Parade heißt.

"The Future Is Ours". Die Idee Dr.Mottes macht ganz schnell die Runde. Bereits ein Jahr später, die Mauer ist gerade gefallen, machen sich schon 2000 Raver und fünf Trucks unter dem zukunftsseligen Schlachtruf auf zum Kudamm. Unter ihnen der Frankfurter Sven Väth, einer von unzähligen DJs, die ihren Ruhm unter anderem auf eine massive Love Parade-Präsenz zurückführen können. Marusha gehört zu ihnen, DJ Disko und ganz besonders auch Westbam. Seit 1996 legt 'Westfalia Bambaataa' jedes Jahr zur Love Parade auf und stellt gemeinsam mit Motte auch die Love Parade Compilations zusammen.

Und gerade 1996 ist ein Schlüsseljahr der Love Parade: Der Kudamm ist zu klein geworden, deshalb heißt es "Ab durch den Tiergarten!". Dort gibt es schließlich mehr Ausweichmöglichkeiten für die erwartete Menschenmasse. Wie Techno und House selbst ist die Love Parade längst zum Massenphänomen geworden und zieht bis heute die internationalen DJs. Im Laufe der Jahre kommen Legenden wie Afrika Bambaataa, Blake Baxter, Carl Cox. Da der Berliner Tiergarten ein weites Areal ist, steigert sich die Love Parade bis ins Rekordjahr 1999 auf geschätzte 1,5 Millionen Tanzende, Gucker und Reporterinnen. Das Jahr 2000 bringt dann Love Parades auf neuen Kontinenten: Kapstadt und Tel Aviv feiern mit, auch Leeds und Wien sind inzwischen dabei.

Erst 2001 erlebt die Love Parade eine große Krise: Wie der Fuck Parade, eine anti-kommerzielle Abspaltung, die seit 1996 durch Mitte tanzt, wird auch der Love Parade der Status einer "Demonstration" aberkannt. Zudem wird die Kritik an der Verschmutzung des Tiergartens immer lauter, diverse Umwelt- und Anwohnerverbände belegen sämtliche Samstage in Juli und August mit Tiergarten-Demos. Nach langem Hick Hack wird die Parade dann doch noch im Juli durchgeführt.

So ist die Love Parade 2002 unter dem Motto "Access Peace" im Grunde der Beginn einer neuen Zeitrechnung. Denn zum ersten Mal hatten die Organisatoren heuer ein Jahr lang Zeit, sich auf das Traditionsevent als kommerzielle Veranstaltung vorzubereiten. Das Booking von Parade, Versammlung an der Siegessäule und den diversen Partys verrät: Für die Club Community ändert sich wenig. Alleine an der Goldelse legen zum Abschluss des Umzugs auf: Miss Kittin, Timo Maas, Westbam und Hell. Zumindest für das zweite Juli-Wochenende bleibt sie der wichtigste Verkehrsknotenpunkt des internationalen DJ-Zirkus, das Schaulaufen europäischer Clubs und eine enorme Tourismus- und Marketingmaschine für Stadt und Land Berlin.

Weitere DJs mit Love Parade-Erfahrung:

Ellen Allien, Paul van Dyk, Armand van Helden, Felix Da Housecat, Azzido Da Bass, Blank & Jones, Woody, Hardy Hard

Wichtige Alben von Love Parade-DJs:

Westbam: We'll Never Stop Living This Way [1997]
Miss Kittin & The Hacker: First Album [2001]
Felix Da Housecat: Kittenz And Thee Glitz [2001]
DJ Hell presents: International DJ Gigolos 5 [2001]
Sven Väth: Fire [2002]
Timo Maas: Loud [2002]
Access Peace - The Love Parade Compilation [2002]

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