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Ska
Schwarzweißarbeiter

 

Hüpfen ist beim Ska ganz wichtig!

Sonnenbrille, zu kurze Hose, Docks an den Füßen - daran erkennt man die Spezies des Vollblut-Ska-Hörers. Vor allem in England Ende der 70er und frühen 80er tanzte er zum schnellen Offbeat der Specials und Madness mit eckigen Bewegungen auf und ab. Seine fröhlichen Grimassen zeigten sein ausgeprägtes Bedürfnis nach Ausgelassenheit, wobei der Ska nicht nur reinen Spaß verkörpert.

Das Markenzeichen dieser Musikrichtung, schwarz-weiße Karos, ist gleichzeitig eine Stellungnahme zum schwarz/weiß-Problem der Arbeiterklasse englischer Industriestädte. Von dort aus trat nämlich der Ska seinen Siegeszug an. In den 60er Jahren war diese Musikrichtung durch jamaikanische Einwanderer nach England gekommen. Sie besangen das Leben ihrer Heimat und die gesellschaftlichen Probleme der Rude Boys wie in A Message to you, Rudy von Dandy Livingstone, das später auch The Specials coverten. Aus gemeinsamen Auftritten der Rudies und Punk-bands wurde schnell auch eine musikalische Kollaboration: Punk Rock orientierter Gitarrenska mit üppiger Bläsersektion und einem schnellen off-beat, der sich bei Mods und Skins, Punks und Rudies großer Beliebtheit erfreute.

Die ausgelassene Stimmung auf Live-Konzerten schlug leider aufgrund der explosiven Mischung der Skin-Szene oft genug in Gewalt um. Dabei hat Ska definitiv eine antirassistische Aussage, was sich auch immer wieder in Texten wiederspiegelt. Auch die Zusammensetzung der Bands mit schwarzen und weißen Musikern, z. B. der Specials, die sich 1977 zusammenfanden, sind Programm. Unter ihrem gegründeten Label Two-Tone fanden Madness und andere Bands gleicher politischer Einstellung und musikalischer Ausrichtung ein zu Hause.

Laurel Aitkens erster Hit

Obwohl sich der British Ska wie der Punk gegen Konsum und Klassenunterschiede richtete, waren ihm doch einige kommerzielle Erfolge zuzuschreiben. Hits von Madness wie It must be love und House of Fun lassen den Original Ska etwas in Vergessenheit geraten, dabei hat gerade die Zeit, als der Ska noch in den Kinderschuhen steckte, große Schätze zu bieten. Auf Jamaika, dem Ursprungsland des Ska, verwandelte sich amerikanischer R’n’B und heimischer Mento/Calypso unter den Händen von Jazz-Musikern und Sängern wie Prince Buster und Don Drummond zum Ska, benannt nach der Band The Skatalites. Laurel Aitken's (The Godfather of Ska) Little Sheila gilt als erster Hits des neuen Stils.

Ein Sound geht um die Welt

War es tatsächlich eine Hitzewelle oder doch die Wirkung der auf der Antillen-Insel häufig konsumierter Heilkräuter? Auf jeden Fall verlangsamte sich Mitte der 60er Jahre der Beat des Ska. Die Gitarre siegte über die umfangreiche Bläsertruppe und man näherte sich via Rocksteady dem Reggae, Dub und Dancehall.

In den späten 80er Jahren fand ein weltweites Ska-Revival statt: in Deutschland zum Beispiel wurde zur Musik von No Sports und El Bosso and the Ping Pongs wieder kantig die Extremitäten geschwungen, in Spanien pflegt Ska-P den Punk-Ska mit politischer Ambition und selbst im fernen Japan hat der Ska mit dem Tokyo Ska Paradise Orchestra Freunde gefunden. Mittlerweile ist es wieder ruhiger geworden um den Ska. Bands wie No Doubt oder Seeed greifen - abgesehen von einigen fetten Bläsersätzen - meist auf andere Stile jamaikanisch verwurzelter Musik zurück.

Zeit, sich den vergangenen Kapiteln des Ska zuzuwenden.
(cb)

Weitere Meister der Strömung sind:

The Skalatones, Roland Alphonso, The Selecter, The Beat, Skaos, Maroon Town, The Busters, Bad Manners

Schlüsselalben dieses Genres sind:

Various: Archive Ska
Various: Original Ska Club
Laurel Aitken: The Story so far
The Specials: Too much too young
Madness: One step beyond
Various: Ska, Ska, Skandal Nr. 1 + 2
The Skatalites: Foundation Ska

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